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Tipp des Monats - Ruth Shaw: Der Buchladen am Ende der Welt

: aus dem Englischen von Anja Samstag. - 1. Auflage - Ostfildern : DuMont, 2023. - 320 Seiten, Illustrationen

Stellen Sie sich vor, Sie stehen ganz im Süden Neuseelands: ein Ort, an dem die Natur wild und still ist, der Wind durch die Bäume streicht und kaum ein Mensch zu sehen ist. Und dann entdecken Sie zwei winzige, bunte Buchläden, mitten im Nirgendwo. Genau dort lebt Ruth Shaw. Und genau dorthin nimmt sie uns in ihrem Buch „Der Buchladen am Ende der Welt“ mit.

Was mich an diesem Buch besonders berührt hat, ist die Mischung aus Lebensmut, Schmerz und einer erstaunlichen Portion Witz. Ruth Shaw erzählt in kleinen, oft poetischen Kapiteln von ihrem Leben – und das war alles andere als gewöhnlich. Mit sechzehn wurde sie vergewaltigt, das Kind wurde ihr direkt nach der Geburt weggenommen. Später diente sie in der Navy, überlebte einen Piratenüberfall auf hoher See und verlor ihren Mann und ein weiteres Kind. Und trotzdem liest sich ihre Geschichte nie verbittert, sondern voller Wärme, Ehrlichkeit und leiser Stärke.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sie mit über siebzig Jahren noch einmal ganz von vorn angefangen hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Lance eröffnete sie zwei kleine Buchläden am Lake Manapouri. Diese Orte sind mehr als nur Geschäfte – sie sind Treffpunkte für Menschen, die auf der Suche sind: nach Geschichten, nach Trost oder einfach nach einem Moment zum Durchatmen. Manche Kunden bleiben nur kurz, andere kommen monatelang wieder. Ruth beobachtet sie mit feinem Gespür, offenem Herzen und einem Augenzwinkern und lässt uns Leserinnen und Leser an diesen Begegnungen teilhaben.

Das Buch ist kein klassischer Lebenslauf, sondern ein Mosaik aus Erinnerungen, Gedanken und Alltagsbeobachtungen. Die Kapitel springen zwischen Zeiten und Orten von der Banks-Halbinsel in Neuseeland über Papua-Neuguinea bis zurück in den kleinen Buchladen. Dazwischen finden sich immer wieder kleine Gesprächsfetzen mit Kunden oder Gedanken übers Lesen und Leben.

Was ich aus dem Buch mitnehme: Das Leben verläuft selten geradlinig. Es besteht aus Brüchen, Umwegen und Schmerz, aber auch aus Begegnungen, Mut und kleinen Momenten des Glücks. Ruth Shaw zeigt, dass wir selbst entscheiden können, was wir aus all dem machen. Und dass es nie zu spät ist, um noch einmal neu anzufangen.

Empfohlen von Frau Herre / Zentralbibliothek

Standort:
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Biografie
F 910
Shaw, R.